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Das kleine Familienschigebiet am Grünberg schreibt weiterhin rote Zahlen. Das alljährliche Defizit tragen die Gemeinde Obsteig und der TVB. Letzterer macht jetzt aber seinen Beitrag von der Erstellung eines Konzepts für die nächsten drei Jahre abhängig. Ein attraktives Sommerangebot soll helfen das Defizit des Winters abzufedern.

Der heutige Gast will Anregung und Betreuung. Er ist offen für Neues, will sich aber nicht am Urlaubsort den Kopf zerbrechen, was er unternehmen könnte. Er erwartet klar profilierte Angebote. Auch Nischenprodukte finden im WWW ausreichend Nachfrage.

Im niederösterreichischen Hollenstein wurde beispielsweise Anfang September eine Weltneuheit eröffnet. Im Bikepark Königsberg bringt der Lift nun im Sommer Biker bequem auf den Berg – eine neuartige Anhängevorrichtung macht’s möglich. http://www.koenigsberg.at/2016/09/16/bikepark-eroeffnung/

Das Gebot der Stunde ist es auch bei uns, den Sommer auszubauen und den Winter zu stärken, indem neue Angebote geschaffen werden. Ideen für den Grünberg waren zwar immer wieder vorhanden. Realisiert wurden sie jedoch selten.

Geld für nötige Investitionen scheint vorhanden zu sein. Mit der Errichtung zusätzlicher Infrastruktur ist es jedoch nicht getan. Es braucht vor allem jemanden, der das neue Angebot erfolgreich vermarktet und verlässlich betreibt.

… einen Geschäftsführer, dem die Liftgesellschaft auch ein leistungsbezogenes Gehalt zahlen kann, weil er der Gemeinde und dem TVB die dringend benötigten Einnahmen bringt. (Anmerkung: Bisher ist die Geschäftsführertätigkeit unentgeltlich, es wird lediglich eine kleine Aufwandsentschädigung bezahlt.)

 

Neuer Deutschkurs in Obsteig

Ab Dienstag, 18. Oktober, bietet Mag. Birgit Tschavoll vom Team der DeutschlehrerInnen der GemNova zusätzlichen Deutschunterricht für die in Obsteig lebenden Asylsuchenden an.

AsylwerberInnen können ab dem ersten Tag in einer Tiroler AsylwerberInnenunterkunft mit Deutschkursen beginnen, die seit Anfang des Jahres von der GemNova auf professioneller Basis angeboten und koordiniert werden. http://gemnova.at/aktuelles/massgeschneiderte-unterrichtsmaterialien.html

Die GemNova DienstleistungsGmbH ist ein Tochterunternehmen des Tiroler Gemeindeverbandes mit der Aufgabe „ innovative Serviceleistungen zur Entlastung der Tiroler Gemeinden zu erbringen“.

Für ihren Bildungspool sucht die GemNova laufend FreizeitpädagogInnen, SchulassistentInnen und SprachberaterInnen bzw. für den Bereich Deutschkurse für Asylwerbende DeutschlehrerInnen. Die gewünschten Anforderungsprofile finden sich auf der Website.

Stellenanzeige DeutschlehrerIn – 206 kB

Ergänzt wird das Kursangebot der GemNova (3×60 Minuten) durch die Tätigkeit unserer ehrenamtlichen SprachbegleiterInnen, die seit letzten Dezember die Familien aus dem Irak, Somalia und Syrien beim Erlernen der deutschen Sprache betreuen.

Unter der Federführung von Bärbel Riser werden auch weiterhin fünf Obsteiger und Obsteigerinnen unsere Asylantenfamilien unentgeltlich und mit großem persönlichen Engagement betreuen.

http://www.gemnova.at

 

 

 

 

 

To Be or Not To Be

Hamlet, Shakespeares dänischer Prinz wurde berühmt für diese Frage, mit der er seine Zerrissenheit und Unsicherheit bezüglich zukünftigen Handelns zum Ausdruck bringt. Hamlet ist aber auch das englische Wort für unsere Weiler – und auchhier stellt sich immer wieder die Frage: Sein oder Nichtsein.

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Obsteig ist ein Dorf mit einem relativ kleinen Ortskern rund um die Pfarrkirche und mehreren flächenmäßig weit verstreuten Ortsteilen, den sogenannten Weilern. Diese Siedlungsform ist charakteristisch für das Tiroler Oberland und deshalb in den Augen vieler erhaltenswert. Besonderes Augenmerk gilt hier den historisch gewachsenen Weilern mit traditionellen Bauformen. In Zeiten der Globalisierung hat überschaubare Kleinheit eine neue Qualität gewonnen. Das Besinnen auf regionale Eigenheiten ist im «Europa der Regionen» zum Identitätsfaktor geworden.

Die Bewohner identifizieren sich mit „ihrem“ Weiler; man ist Finsterfiechter, Gschwenter etc. dann Obsteiger, dann Tiroler, dann Österreicher, dann Europäer. An dieser Stelle sei auch an die „Ortstafeldiskussion“ in Mieming erinnert. http://www.tt.com/%C3%9Cberblick/6904897-6/obermieming-und-barwies-ohne-ortstafel.csp

Obsteig hat den Schutz seiner Weiler in den Zielen des Landschaftsschutzgebietes festgeschrieben. Doch warum wurden unsere Weiler zu Schutzbedürftigen? Was haben sie mit Kindern, Konsumenten und Denkmälern gemeinsam? Vor wem müssen sie geschützt werden?

Aktuell bietet sich häufig folgendes Bild. Es finden sich in den Weilern einige Hofstellen und Neu- bzw Umbauten auf Bauplätzen „weichender Kinder“. Vermehrt gibt es jedoch auch leerstehende Gebäude. So bedeutungsvoll die historische Weilerstruktur auch ist, so anspruchsvoll ist ihre bauliche Entwicklung zwischen Höfemuseum und moderner Wohnbebauung. Demografische und gesellschaftliche Veränderungen nehmen Einfluss auf die Regionalentwicklung. Leerstehende, alte Bausubstanz ist die Folge von Generationenwechsel, mangelnder Rentabilität des klassischen landwirtschaftlichen Betriebes. Österreichweit werden pro Jahr rund zwei Prozent der Bauernhöfe aufgelassen. Was tun mit der alten Bausubstanz?

  • Für die häufig unzureichende Wohnqualität der alten Häuser lassen sich jedoch keine Mieter am freien Markt finden. Nur mehr Menschen, für die freie Mieten unerschwinglich sind und für die das „Amt“ die Miete übernimmt, sind bereit, in diese Häuser einzuziehen.
  • Eine weitere Option ist der Umbau in Wohnungen für den Eigenbedarf oder zum Verkauf am freien Immobilienmarkt eventuell auch im angrenzenden Ausland.
  • Das alte Haus wird abgerissen und an seiner Stelle entsteht ein neues Haus oder ein Wohnblock.

Jede einzelne Entscheidung verändert nachhaltig die Bevölkerungszusammensetzung und das Ortsbild der betroffenen Gemeinde. Deshalb gibt es in Tirol ein breites Repertoire an Erhaltungsprogrammen und Schutzbestimmungen.

Diese geraten naturgemäß in Konflikt mit dem als umfassend empfundenen Eigentumsrecht, werden als starke Einschränkungen und finanzielle Belastungen empfunden. Das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch definiert das Eigentum zwar als die „Befugnis, mit der Substanz und den Nutzungen einer Sache nach Willkür zu schalten, und jeden anderen davon auszuschließen“ (§ 354 ABGB), die Grenzen des Eigentums liegen aber dort, wo in Rechte eines anderen eingegriffen würde oder im allgemeinen Interesse erlassene Beschränkungen übertreten würden.

Es ist seltener der Fall, dass die Leidenschaften einzelner dem Gemeinwohl nicht schaden.

Niccoló Machiavelli
(1469 – 1527), italienischer Staatsmann und Schriftsteller

 

Ist Weilerschutz konsensfähig? Gibt es ein breites Bekenntnis zur bäuerlichen Baukultur? Soll die Tradition der Weilerstruktur unseres Dorfes fortgeschrieben werden?

Die Gesetzeslage sieht den Weilerschutz (Novelle TROG 2016) vor. Die Erhaltung der traditionellen Weilerstruktur ist ausdrücklich in den Zielen des Landschaftsschutzgebietes formuliert.

Regionalität steht nicht im Gegensatz zu Modernität und zeitgemäßem Standard. Es gibt zahlreiche gelungene Beispiele für „modernes Wohnen in alten Mauern“. Architekten, Bauherren und Gemeinden sind gefordert.

Sanierungsbeispiele

 

TROG Novelle 2016

Kaum eine Gemeinderatsitzung, in der der Gemeinderat nicht mit dem Beschluss von Bebauungsplänen, Umwidmungen oder Änderungen des Raumordnungskonzepts befasst wäre.

Seit 01.10.2016 sind einige wichtige Änderungen zum Tiroler Raumordnungsgesetz in Kraft. Auch für unsere Obsteiger Gemeinderatstätigkeit werden sie ihre Auswirkungen haben.

Ziele der Novelle

  • Schutz des Landschaftsbildes
  • Schaffung leistbaren Wohnraums
  • Verschärfung der Freizeitwohnsitzregelung
  • Vorschlagsrecht des Grundeigentümers für Umwidmung

Die Gemeinde hat nun die Möglichkeit auch im Freiland Bebauungspläne zu erlassen. Mittels Festlegungen im Bebauungsplan kann so von Gemeindeseite aus sichergestellt werden, dass regionale architektonische Elemente erhalten bleiben und Gebäude im Freiland sich harmonisch ins traditionelle Tiroler Landschaftsbild einfügen.

Leistbarer Wohnbau braucht günstige Grundstücke. Hier wird auf eine Stärkung der Vertragsraumordnung „gebaut“. Wohnbauträgern wird es in Zukunft möglich sein, Gründe im Freiland zu erwerben.

Unser Bürgermeister ist verpflichtet bis zum 1. Juli 2017 ein umfassendes Freizeitwohnsitzverzeichnis beim Land einzureichen. Das Gesetz legt weiterhin eine Höchstgrenze von 8% Freizeitwohnsitzen je Gemeinde fest. Zur Schaffung eines Ferienwohnsitzes am Bauernhof (maximal 75m²) braucht es einen Widmungsbeschluss der Gemeinde und die weitere Bewirtschaftung des Hofes. Die Mietdauer ist begrenzt auf 5 Jahre. Ein Neubau für einen Ferienwohnsitz ist verboten.

Eigentümer von Grundstücken sind erstmals gesetzlich berechtigt, der Gemeinde die Änderung des Flächenwidmungsplanes hinsichtlich der in ihrem Eigentum stehenden Grundstücke vorzuschlagen und haben darüberhinaus Anspruch auf ein Planungsgespräch mit dem Bürgermeister, einem Mitglied des Gemeinderates oder einem fachkundigen Bediensteten oder Beauftragten der Gemeinde innerhalb einer Frist von drei Monaten.