Hoteldorf Obsteig

Die Ausgangslage im gegenständlichen Fall ist wie so oft:  Ein Grundeigentümer will ein seit längerem brachliegendes Baugrundstück nutzen. Der Gemeinderat des Dorfes ist gefordert, über die  zulässige Bebauung zu entscheiden. Als  fachlich kompetenter Berater steht der Gemeinde der jeweilige Raumplaner zur Seite. Es gibt dabei die zu erwartenden Nutzungskonflikte mit den angrenzenden Grundstücken, Widersprüche zur Dorfentwicklung und den Spielraum für missbräuchliche Nutzung abzuwägen.

Schon im Juli 2019 war man sich im Gemeinderat einig, dass einer  touristischen  Nutzung  vor einer reinen Wohnnutzung  in jedem Fall der Vorzug zu geben wäre, da der Bedarf an Wohnungen mit den derzeit in Fertigstellung befindlichen Wohnbauprojekten gedeckt sei.  Im Gemeinderat herrscht einhellige Meinung, dass der örtliche Wohnbedarf insbesondere an günstigen Mietobjekten mit Abschluss des Langgartenprojekts gedeckt ist.

Die gegenwärtig rechtskräftige Widmung (allgemeines Mischgebiet) lässt an sich beide Nutzungen zu.

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Das von  RA Markus Knoll (Planung Arch. Wolfgang Tomaschko) vorgelegte touristische Projekt  eines „Chaletdorfs“ findet mehrheitlich Zustimmung. Über Widmung als Sonderfläche Beherbergungsbetrieb, zwingend vorgeschriebenen Bebauungsplan  und privatrechtlichen Vereinbarungen (Schallschutz; Pönale) zwischen Betreiber und Gemeinde soll erreicht werden, eine Nutzung  der Chalets als Zweitwohnsitze zu verhindern.

Die Absicherung gegen Missbrauch ist die eine Seite der Medaille, die andere ist die Zuverlässigkeit und Konsequenz der Gemeinde Obsteig als Projektpartnerin.  Für Projektbetreiber ist der Zeitfaktor ein wesentlicher Erfolgsfaktor.  Betreiber mit immer wieder neuen Zweifeln und Auflagen „ im Kreis herum zu schicken“  kann nicht im Interesse der Gemeinde sein. Wenn Zweifel bezüglich des Erfolgspotentials des Projekts laut werden, so ist es an den Errichtern diese weitgehend auszuräumen. Das unternehmerische Risiko bleibt jedoch jedenfalls beim Errichter und nicht bei der Gemeinde. Eine zeitnahe Schaffung der Voraussetzungen für die Umsetzung des Projekts ist auch deshalb wichtig, da im kommenden Jahr wieder neue Regelungen des Landes Tirol zum Thema Hoteldörfer zu erwarten sind.

Plan automatisch generiert durch tiris

Der entsprechende Beschluss wurde  in der letzten Sitzung vertagt, da die Information, dass eines der betroffenen Grundstücke sich mittlerweile im Eigentum von Franz Stierschneider befände, für Verwirrung sorgte.

In der morgigen Arbeitssitzung wird sich der Gemeinderat von Obsteig nochmals intensiv mit dem Projekt auseinandersetzen. Für uns Gemeinderäte ist es zeitweise schwierig, sich nicht von verschiedensten Zurufen beeinflussen und die nötige Sachlichkeit walten zu lassen.  Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang wieder einmal, dass Widmungen  kein Wunschkonzert  von einzelnen Grundeigentümern sind, sondern ein  hoheitlicher Akt der Gemeinde im Sinne einer positiven Dorfentwicklung.

Hier noch einige gelungene Beispiele in Leogang oder in St.Johann /Pongau

https://www.puradies.com/de/chalet-dorf-leogang/

https://www.priesteregg.at

https://www.berg-herz.at/

Und zum nochmals Nachlesen die Presseberichte zum Thema:

https://liste6416.org/2018/07/31/chaletdorf-obsteig/

https://www.tt.com/politik/landespolitik/14801355/chaletdorf-projekt-in-obsteig-geplant

http://www.obsteigaktuell.info/2018/09/23/gemeinderatssitzung-vom-06-september-2018/

https://www.tt.com/politik/landespolitik/15680042/chaletdorf-in-obsteig-neuerlich-vertagt

https://www.rundschau.at/chaletdorf-bleibt-in-der-warteschleife/

O Sole Mio…

Die Nutzung von alternativen, erneuerbaren Energiequellen bei Neubauten ist mittlerweile Standard.  Der Begriff „Passivhaus“ fasst diesen Trend bestens zusammen.

Nicht zuletzt dank diverser Förderungen verzichtet kaum ein Bauherr heute auf die Nutzung von Solarenergie. Die Gestaltung der dörflichen Dachlandschaft steht in diesem Zusammenhang vor einer besonderen Herausforderung.

In der Vergangenheit stellte das Anbringen von Solarpaneelen eine Nachrüstung dar, die jedoch aus ästhetischer Sicht häufig zu wenig zufriedenstellenden Ergebnissen führte.

Im Obsteiger Gemeinderat  beschloss man deshalb für Neubauten, insbesondere im Bereich der Erweiterung der Mooswaldsiedlung  die zeitgemäße, in die Dachneigung integrierte Anbringung der Solarpaneele zu verordnen. Dies erfordert vom Bauherren, dass er schon bei der Planung seines Hauses, zum Beispiel bei der Wahl der Dachneigung die Nutzung der Solarenergie miteinbezieht.

Neben dem Dach ist auch die Nutzung von Balkongeländern und der Fassade des Hauses für die Anbringung der Paneele als untergeordnete Bauteile denkbar.

In der 2018 neu erlassenen Tiroler Bauordnung gem. §2 Abs.17 TBO 2018 gelten Solarpaneele nur dann als untergeordnete Bauteile, wenn sie bestimmten Kriterien entsprechen:

Untergeordnete Bauteile sind: […] Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlagen, sofern sie in die Außenhaut von baulichen Anlagen integriert sind oder einen Parallelabstand von höchstens 30 cm zur Dach- bzw. Wandhaut aufweisen; dies jedoch nur, wenn sie im Hinblick auf ihre Abmessungen im Verhältnis zur Fläche der betreffenden Fassaden bzw. Dächer untergeordnet (dh. kleiner 50% der Fläche) sind.