Perspektiven für den „Xander-Hof“

Alexander Schaber, der Enkel des Altbauern am Xander-Hof interessiert sich – neben seiner Begeisterung für den Fußball – schon seit jeher für die Geflügelzucht. Schon als Teenager nahm er mit seinen Zuchtergebnissen erfolgreich bei Ausstellungen teil und absolvierte die Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter an der Landwirtschaftlichen Schule in Imst (www.lla-imst.at ).

Die heimische Landwirtschaft befindet sich aktuell in einer Phase der Neuorientierung. Die traditionelle Tiroler Milchwirtschaft hat zunehmend mit Problemen zu kämpfen, neue Wege müssen beschritten werden. Die Nachfrage nach hochwertigen, regionalen Fleischprodukten steigt. Insbesondere Geflügelprodukte aus biologischer Landwirtschaft erfreuen sich beim gesundheitsbewussten Konsumenten steigender Beliebtheit. Massentierhaltung (Besatzdichte bei Puten über 3000 Tiere) lehnt er ab.

In einer nachhaltigen und biologischen Geflügelzucht (500 – 800 Puten) sieht auch Alexander Schaber die Zukunft für sich und den Hof seines Großvaters und seines Onkels.

Die biologische Landwirtschaft unterliegt strengen Auflagen und Kontrollen. Um seine Pläne in die Tat umsetzen zu können, bedarf es deshalb der Errichtung eines modernen, allen Auflagen entsprechenden Geflügelstalls.

Die Errichtung des neuen Stalls ist jedoch nicht so ohne weiteres möglich. Ein entsprechendes Grundstück muss erst umgewidmet werden. Die Gemeinde, in Person des Bürgermeisters und der 13 Obsteiger Gemeinderäte, ist am Zug.

Gewünscht ist die Umwidmung von ca. 1336 m2   

Das Widmungsansuchen lautet auf „Umwidmung einer Teilfläche des Gst. 5547 von Freiland in Sonderfläche Geflügelstall“.

Ursprünglich war eine Hoferweiterung direkt im Weiler Wald in unmittelbarer Nähe zur Hofstelle geplant, doch stieß dieser Standort auf heftigen Widerstand durch die ansässige Wohnbevölkerung. Wieder einmal zeigte sich die Problematik von Baulandwidmungen in unmittelbarer Nähe von Hofstellen.

Da auch alle anderen im Besitz der Familien Rappold/Schaber befindlichen Flächen als Standort ausschieden, fand sich schliesslich mit dem Gst. 5547 eine mögliche Alternative.

Alexander Schaber lud die Mitglieder des Obsteiger Gemeinderats zum Lokalaugenschein vor Ort. Die meisten Gemeinderäte folgten der Einladung des jungen Landwirts und machten sich persönlich ein Bild von der Situation. Man sah bei diesem Termin beispielsweise einen Vorteil in der leichten Hanglage des Grundstücks, da so gewährleistet ist, dass der Stall von Westen aus als einstöckig wahrgenommen wird.

Wichtigstes Ergebnis des Nachmittags war die Empfehlung, das Objekt nach Möglichkeit um eine Bautiefe nach Osten zu verschieben, um einerseits die Zufahrt zum Stallgebäude zu erleichtern und andererseits den Abstand zu den nächstgelegenen Wohnhäusern zu vergrößern.

Eine Umwidmung im freien Landschaftsraum will jedoch gut überlegt sein. Der Widmungsbereich ist im Örtlichen Raumordnungskonzept als landschaftlich wertvolle Freihaltefläche ausgewiesen.

In den landschaftlich wertvollen Flächen ist die Widmung von Sonderflächen ausschließlich für landwirtschaftliche Zwecke und nur im unmittelbaren Nahebereich bestehender Gebäude zulässig.

Im gegenständlichen Fall sind die nächstgelegenen Gebäude nunmehr als Sonderfläche Hofstelle bzw. als Freiland und nicht wie immer wieder fälschlich behauptet als Wohngebiet gewidmet.

Bevor die Abstimmung über die Widmung jedoch im Gemeinderat angesetzt werden kann, müssen zahlreiche Gutachten eingeholt werden, auf deren Ergebnisse die raumplanerische Beurteilung des Sachverhalts beruht. Darüber hinaus steht es jedermann frei, Privatgutachten einzuholen und Bürgermeister und Gemeinderäte über die darin gewonnenen Erkenntnisse zu informieren. Die gegenständliche Widmung war darüberhinaus auch Thema bei mehreren Arbeitssitzungen mit dem Raumplaner der Gemeinde Obsteig.

Alle von Amts wegen eingeholten Gutachten waren positiv.

Einzige Ausnahme stellt die negative Stellungnahme der Bezirkshauptmannschaft Imst, Abteilung für Umweltrecht dar, die diese mit „teilweise massive Störungen des Landschaftsbildes und des Erholungswerts der Landschaft“ in diesem Bereich begründet.

Die Schönheit des Landschaftsbildes am Mieminger Plateau resultiert jedoch gerade aus der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Flächen, sie stellen keinen unberührten Naturraum dar. Es erscheint problematisch, landwirtschaftliche Tätigkeit als Störfaktur in unserer Region zu sehen. Die zur Bewirtschaftung der Flächen erforderlichen Gebäude sind grundsätzlich als vorrangig zu betrachten.

Zu guter Letzt verweist ein Gutachten auf die Tatsache, dass im Bereich des Planungsgebietes eine archäologische Fundzone ausgewiesen ist und daher beim Auftreten von Bodenfunden (Mauern, Pflasterungen, Münzen usw.) der Landeskonservator für Tirol zu verständigen ist.

Alle Gutachten liegen vor, alle Argumente liegen auf dem Tisch, die Entscheidung im Gemeinderat steht an.

Auch in der regionalen Presse findet sich Einiges zum Thema:

https://www.tt.com/artikel/11582745/mobile-hennensteigen-wurden-zum-zankapfel

https://www.tt.com/artikel/15447676/protest-gegen-huehnerbetrieb-in-obsteig

https://www.tt.com/artikel/17503449/geplanter-gefluegelhof-in-obsteig-steht-weiter-in-der-kritik

https://www.zillertalerzeitung.at/de/aktuell/glckliche-hhner-aus-obsteig

https://www.biovomberg.at/bauer/alexander-schaber/

https://innsbruck-serles.bauernkiste.at/produkte-online-shop/produzenten/?hersteller=1095

Bildquellen

blog6416

https://www.zillertalerzeitung.at

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