Bestbieter. Bester Bieter

»Wem gehört denn das Wild? Das Wild gehört uns allen! Dass wir nicht das Geld haben, eine Jagd zu pachten, dafür können wir nichts und um den gleichen Pachtzins, den ein Jagdherr bezahlt, bekommen wir die Jagd sowieso nicht…“*

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So fasste der ehemalige Wilderer Fritz N. im vergangenen Jahrhundert die Situation rund um die Jagd in Tirol zusammen.

Der Obsteiger Gemeinderat wird sich in seiner nächsten Sitzung für einen neuen Pächter der Obsteiger Eigenjagd im Lehnberg entscheiden. Die Vergabe des Jagdrechtes bedeutet für beide Seiten idealerweise ein auf viele Jahre angelegtes Miteinander. Doch zeichnet sich auch aktuell wieder die Fortschreibung des historischen Konflikts zwischen oftmals auswärtigen finanzkräftigen Jagdpächtern und dem Einheimischen, der sich vom Jagdrecht ausgeschlossen erlebt, ab.

Die Höhe der Angebotssummen für die Jagdpacht variieren um ca. 5000 Euro im Jahr. Wären jedoch die Angebotssummen das einzige Entscheidungskriterium, wäre eine Abstimmung über die Vergabe der Gemeindejagd obsolet. Die freie Vergabe ist weiterhin zulässig. Einige Gemeinderäte konnten sich bei einem Hearing der Bestbieter selbst ein Bild von den Bewerbern machen. Bedauerlicherweise war dazu nur jeweils ein Mitglied der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen eingeladen.

Die Obsteiger Jagdgenossenschaft, die zeitgleich ihre Jagd neu vergibt, hat sich für den Bestbieter entschieden.

Nun stellt sich die Frage, ob dieser auch für die Gemeinde die beste Option darstellt. Besonders das von einem früheren Pächter errichtete Jagdhaus macht das Revier am Lehnberg für Auswärtige attraktiv. Würden nun beide Jagden an denselben Pächter vergeben, ergäbe sich bei etwaigen rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem Pächter für die Gemeinde eine Konkurrenz in der Befriedigung der jeweiligen Ansprüche mit der örtlichen Jagdgenossenschaft.

Generell galt im Obsteiger Gemeinderat bisher, dass bei Ausschreibungen einheimische Bieter einen Mehrwert für die Gemeinde darstellen. Diesen Mehrwert von einheimischen Bietern beziffern manche Gemeinden mit bis zu 35% der Angebotssumme. Dies erscheint nicht zuletzt auch deshalb als gerechtfertigt, da die Gemeinde Obsteig bekanntermaßen schon mehrmals in der Vergangenheit mit ihren Hoffnungen in auswärtige Investoren/Pächtern Schiffbruch erlitten hat und in kostspielige Rechtsstreitigkeiten verwickelt wurde.

Die einheimische Bietergruppe punktet mit ihrer Ortskenntnis und ihrer 24/7 Verfügbarkeit im Dorf. Waldbewirtschaftung und Jagd verbleiben in einer Hand. Die einheimischen Bieter führten auch als einzige in ihrer Bewerbung an, dass man sich auch um eine Erhöhung des Wildbestandes im Revier kümmern wolle.

Zwei Bilder aus der jagdlichen Vergangenheit am Mieminger Plateau zeigt die aktuelle Ausgabe der „Jagd in Tirol“.

Adolf Straumann auf der Pirsch 1955 in Obsteig

Klaudius von Rohrer-Haslmayr mit seinem Großvater 1940

Quelle: Jagd in Tirol, Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes, Februar 2021